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In den USA wird
längst nicht mehr jährlich geimpft, wie heute in Deutschland
noch üblich. Dort hat man aufgrund neuer Erkenntnisse schon
vor vielen Jahren zu einem anderen Impfschema gewechselt.
Monika Peichl hat diese Erkenntnisse im nachfolgenden,
überaus interessanten und sehr lesenswerten Bericht zusammen
gefasst. Wir möchten die Veröffentlichung dieses Berichtes
nicht als Empfehlung verstanden wissen, jedoch damit
durchaus zum Nachdenken anregen. Letztendlich obliegt es
Ihnen, als Tierbesitzer, zu entscheiden, ob Sie aus diesem
Bericht Schlüsse hinsichtlich Ihres Impfverhaltens an Ihren
Haustieren ziehen möchten.
Der jährliche Shot
–
mehr Gewohnheit als Wissenschaft
Warum Katzen in den
USA nicht mehr jedes Jahr geimpft werden
und warum unsere Katzen auch nicht jährlich geimpft werden
müssen
Von Monika Peichl
Jahrzehntelang
ist es uns Tierhalterinnen und Tierhaltern eingebimst
worden: Katzen müssen jährlich geimpft werden. Doch dafür
gibt es überhaupt keine wissenschaftliche Rechtfertigung. In
den USA haben verantwortungsbewußte Hochschul-Tierärzte
diese unseriöse Impfpraxis schon vor über zehn Jahren
kritisiert, und zwar in einem weitverbreiteten Handbuch für
den praktischen Tierarzt („Kirk’s Current Veterinary Therapy“).
Aber auch dort dauerte es bis Ende 1997, bis die zuständigen
Veterinärverbände dem Unfug der jährlichen Impferei ein Ende
bereiteten und neue Impfrichtlinien einführten.
Die meisten
deutschen Tierärzte haben inzwischen davon gehört, viele
ignorieren aber die wohlfundierten Aussagen der US-Forscher
nach Kräften. Veterinäre, die weniger oft impfen, bilden
hierzulande eine Minderheit, sie werden von Kollegen
angefeindet und sogar bei der Tierärztekammer angeschwärzt.
Man hat Angst, Einkünfte zu verlieren: Impfungen bringen 20
bis 40 Prozent des Umsatzes in der durchschnittlichen
Kleintierpraxis.
Solange sich die
Mehrheit der Tierärzte gegen die wissenschaftlichen Fakten
sträubt, müssen wir Tierhalter uns selbst um einen
vernünftigen Impfplan für unsere Katzen kümmern. Die Regel
sollte, genau wie bei Impfungen an Menschen, lauten: So viel
wie nötig, so wenig wie möglich.
Wogegen werden
Katzen geimpft?
Viele Katzen
werden jährlich gegen Katzenschnupfen (Herpes- und
Calicivirus) und Katzenseuche (= Panleukopenie; felines
Parvovirus) geimpft, Freigänger oft zusätzlich noch gegen
das feline Leukämievirus (FeLV, meist „Leukose“ genannt, was
aber falsch ist – Leukose ist eine andere Krankheit) und
gegen Tollwut. Manche Tierhalter, vor allem Züchter, lassen
außerdem gegen Chlamydien (einen Erreger, der vor allem die
Augen angreifen kann) und gegen die Feline Infektiöse
Peritonitis (FIP) impfen. Viele Wohnungskatzen werden
jährlich mindestens dreifach geimpft, Freigänger häufig
fünffach und Zuchtkatzen fünf- bis sechsfach.
Wieso wird
überhaupt jährlich geimpft?
Die herrschenden
Impfpläne sind das Resultat von Geschäftemacherei sowie
Ignoranz und Desinteresse.
Angefangen hat
alles mit der Tollwutimpfung. Früher wurden vor allem Hunde
mit einer Lebendvakzine gegen Tollwut geimpft. Sie erwies
sich als zu gefährlich, weil das Impfvirus wieder aktiv
werden und die Krankheit im Impfling hervorrufen kann. Als
die ersten inaktivierten oder Totvakzinen entwickelt wurden,
wurde festgestellt, daß auch sie mehrere Jahre Schutz
bewirken. Trotzdem ist in der Tollwutverordnung
festgeschrieben, daß Hunde und Katzen mit Freilauf in
tollwutgefährdeten Bezirken eine jährliche Auffrischung
bekommen müssen. Dem Gesetzgeber ging es begreiflicherweise
darum, die Menschen so gut wie möglich vor dieser Krankheit
zu schützen. Daher wurde das sehr enge Impfintervall
festgelegt. (Mehr zur Tollwut weiter unten.)
Die
Tollwutimpfung gilt als Taktgeber für die anderen Impfungen,
die im Laufe der Zeit entwickelt und an den Markt gebracht
wurden. Der erste Impfstoff speziell für Katzen war der
gegen die Katzenseuche. Interessanterweise ging man in der
50er Jahren noch ganz selbstverständlich davon aus, daß die
einmalige Gabe des damals verfügbaren Impfstoffs die Katze
für den Rest ihres Lebens schützt. Das kann man in alten
Lehrbüchern sehr schön nachlesen. Dieses Wissen scheint der
Tiermedizin seither abhanden gekommen zu sein. Denn als
später weitere Impfstoffe entwickelt wurden, wurden sie
einfach mit der Vorschrift der jährlichen Auffrischung auf
den Markt gebracht.
Wer bestimmt,
was im Beipackzettel steht?
Im Beipackzettel,
in der Gebrauchsinformation zu den Impfstoffen, steht immer:
„Jährliche Auffrischung der Impfung wird empfohlen“. Wer
entscheidet eigentlich, was im Beipackzettel zum
Revakzinierungsintervall steht? Antwort: der
Impfstoffhersteller selbst. Die Zulassungsbehörde für
Tiervakzinen, das Paul-Ehrlich-Institut, schreibt dem
Hersteller diesbezüglich gar nichts vor. Und die Zulassungs-
und Testvorschriften für die einzelnen Vakzinen (die
„Monographien“ im „Europäischen Arzneibuch“) machen nicht
die geringsten Vorgaben zur Prüfung der Dauer des
Immunschutzes. Verlangt werden nur Untersuchungen zur
Wirksamkeit und Unschädlichkeit eines Impfstoffs, nicht zur
Schutzdauer.
Diese Lücke wird
von der Industrie gern und eifrig genutzt – und viele
Tierärzte haben natürlich auch keine Einwände, denn die
Impfungen sichern ihnen den regelmäßigen Zustrom der
Patienten. Es gibt in Deutschland ein paar Produkte für
Hunde und Katzen, bei denen eine zweijährliche Auffrischung
„empfohlen“ wird. Aber auch dieses Intervall ist willkürlich
festgelegt und nicht immunologisch begründet.
Wie ist das
eigentlich bei Impfungen am Menschen?
Bei Humanvakzinen
wird die Dauer des Immunschutzes sehr wohl geprüft, und zwar
durch Antikörpermessungen an Tausenden Impflingen. Aber
Antikörper sind nicht alles. Grundsätzlich geht man davon
aus, daß Impfstoffe gegen Viren und Bakterien ein lang
anhaltendes „Immungedächtnis“ erzeugen. Nicht bei allen
Impfstoffen halten sich die Antikörper über längere Zeit,
doch das heißt nicht, daß der Schutz verschwindet. Es gibt
außer der „humoralen“ Immunität mit den Antikörpern auch
noch die „zelluläre“ Immunität. Abwehrzellen, die einmal mit
einem Erreger oder Impf-Antigen zu tun hatten, bleiben viele
Jahre bis lebenslang erhalten und werden schnell aktiv, wenn
der Erreger auftritt. Sie setzen andere Abwehrzellen in
Aktion, so daß eine ganze Kaskade von Immunreaktionen
abläuft.
Das ist bei
Kleinsäugern kein bißchen anders. Auch Katzen, Hunde usw.
verfügen über Gedächtnisimmunzellen und zelluläre Immunität.
Menschen werden
als Kinder gegen eine Reihe von Krankheitserregern geimpft.
Die Impfungen werden meist ein-, zwei- oder dreimal
wiederholt. Werden Totvakzinen verwendet, müssen sie zweimal
gegeben werden, damit eine volle Immunreaktion erzielt wird.
Bei Lebendvakzinen wäre eine Wiederholung an sich nicht
nötig, sie wird aber gemacht, um die paar Prozent
Impfversager zu erwischen, also Kinder, bei denen die erste
Impfung nicht angeschlagen hat. Beispiel: die
Masern-Mumps-Röteln-Impfung.
Im Jugendalter
ist beim Menschen aber dann Schluß mit Routineimpfungen.
Erwachsene werden nur dann nachgeimpft, wenn ein besonderes
Ansteckungsrisiko anzunehmen ist (zum Beispiel auf Reisen
oder durch den Beruf: Hepatitis B, Polio) oder wenn die
Impfung keinen lebenslangen Schutz bietet (alle zehn Jahre
Tetanus und Diphtherie). Man spricht hier von
„Indikationsimpfungen“: Aufgefrischt wird nur bei Bedarf und
nur in langjährigen Abständen – und nicht einfach so, weil
der Doktor noch mal was verdienen will.
Das ist bei
unseren Haustieren leider anders. Sie werden nachgeimpft,
ohne daß es dafür einen medizinischen Grund gäbe.
Geben
jährliche Wiederholungen nicht doch besseren Schutz?
Nein, nicht
einmal das ist der Fall. In Untersuchungen wurde gezeigt:
Die Auffrischungen bringen keinen zusätzlichen Schutz. Die
Antikörpertiter steigen gar nicht signifikant an, wenn
nachgeimpft wird – die vorhandenen Antikörper stürzen sich
auf die Antigene im Impfstoff und machen sie unschädlich,
neue Antikörper werden kaum gebildet. Es bleibt praktisch
alles beim alten.
Schaden
jährliche Auffrischimpfungen?
Das ist der
kritische Punkt: Die dauernde Impferei ist nicht nur
medizinisch unnötig, sie kann auch schaden. Bei uns streiten
das allerdings viele Tierärzte einfach ab.
Tödlicher
Krebs durch Impfungen
Katzen können
durch Impfungen an Krebs erkranken, und zwar am
vakzine-assoziierten Fibrosarkom, auch Impfsarkom genannt.
Das ist eine bösartige Geschwulst, die ein paar Wochen oder
Monate nach einer Impfung an der Injektionsstelle – meist
zwischen den Schulterblättern oder an der seitlichen
Brustwand – als Knubbel (Granulom) unter dem Fell auftritt
und sehr breit wuchern kann. In der US-Veterinärmedizin wird
der Zusammenhang von Impfung und Sarkomentstehung bei Katzen
nicht mehr ernsthaft bezweifelt. In Deutschland neigt man
dazu, das Thema herunterzuspielen. Doch kürzlich bezifferte
der Kleintieronkologe Dr. Martin Kessler auf einem
Tierärztekongreß in Berlin die Risikowahrscheinlichkeit
hierzulande mit 1 zu 1000. Die meisten Sarkomkatzen sind zum
Zeitpunkt der Erkrankung zwischen sechs und elf Jahre alt,
haben somit schon viele Shots erhalten. Es trifft allerdings
auch jüngere Katzen.
Behandelt werden
kann das Impfsarkom bisher nur durch radikale Operation weit
ins gesunde Gewebe hinein. Nach der Operation treten fast
immer Rezidive auf, also neues Tumorwachstum. Die Geschwulst
führt in den allermeisten Fällen zum Tode.
Wie kann man
das Impfsarkom verhüten?
Die beste
Vorsorge ist, die Katze nicht häufiger als nötig impfen zu
lassen. Wichtig ist, daß die Kätzchen geimpft werden, denn
sie sind am empfänglichsten für Infektionskrankheiten. Doch
ausgewachsene Tiere sind von Infektionen weit weniger
bedroht, als man uns weismachen will.
Neben den
verlängerten Impfintervallen, wie sie in den USA üblich
geworden sind, lassen sich weitere Vorsichtsmaßnahmen
treffen. Die Vaccine-Associated Feline Sarcoma Task Force,
die Impfsarkom-Arbeitsgruppe der US-Veterinäre, hat dazu
Richtlinien erarbeitet.
Auf Mischspritzen
und Mehrfach-Vakzinen soll weitgehend verzichtet werden. Das
heißt, es sollen nicht alle Impfungen mit einer einzigen
Spritze und an einer einzigen Stelle gegeben werden, auch
wenn es für Tierarzt und Patient so am bequemsten ist und am
schnellsten geht. Je mehr Vakzinen auf einmal, desto höher
das Sarkomrisiko.
Die Impfung gegen
Seuche und Schnupfen soll an der seitlichen Brustwand
verabreicht werden, die Impfung gegen Tollwut am rechten
Hinterbein (rabies = r = rechts) und die Impfung gegen das
feline Leukämievirus (FeLV) am linken Hinterbein (LV = l =
links). Ein Bein kann zur Not amputiert werden, um dem
Tumorwachstum Einhalt zu gebieten. Katzen können auf drei
Beinen prima leben.
Zwischen den
Schultern sollte überhaupt nicht mehr geimpft werden, da man
einen Tumor dort nur sehr schlecht operieren kann.
Bei uns wird noch
häufig zwischen den Schultern geimpft. Fallen Sie dem Arzt
in den Arm, wenn er die Spritze dort ansetzt!
Können Sarkome
auch andere Ursachen haben?
Nicht jedes
Sarkom entsteht durch Impfungen, aber doch sehr viele.
Manche dieser Tumore bilden sich an Stellen, an denen ganz
andere Wirkstoffe injiziert wurden. Einige US-Spezialisten
für Krebserkrankungen der Kleintiere sprechen daher gar
nicht vom Impfsarkom, sondern vom injection-site sarcoma,
also Injektionsstellen-Sarkom. In der Forschungsliteratur
beschrieben sind Sarkome nach Injektion des Flohmittels
Lufenuron (Handelsname Program) und nach Injektion von
Antibiotika gegen Gastritis. Doch diese Fälle sind selten,
fast immer handelt es sich um Impfspritzen.
Katzen reagieren
auf Injektionen empfindlicher als andere Kleintiere. Hat
eine Katze nach Impfungen oder sonstigen Injektionen bereits
einmal einen Knubbel entwickelt, sollte sie nur dann
Spritzen bekommen, wenn sich der Wirkstoff nicht anders
verabreichen läßt. Längst nicht jede Katze entwickelt
Granulome nach (Impf-) Injektionen, und längst nicht jeder
Knubbel ist ein Sarkom. Daher sollte man sich nicht gleich
verrückt machen, wenn eine Katze so eine Gewebsverdickung
bekommt. Aber man sollte, vor allem wenn es eine Impfstelle
ist, auch nicht zu lange warten und beizeiten eine
Gewebsprobe entnehmen lassen, am besten gleich in einer
Tierklinik. Drei Monate abzuwarten kann sich als fatal
herausstellen, in den USA rät man zur frühzeitigen Biopsie.
Gibt es noch
andere Impfschäden?
Allerdings.
Besonders gravierend ist der anaphylaktische Schock
unmittelbar nach der Impfung. Er ist tödlich, wenn er nicht
sofort vom Tierarzt behandelt wird.
Bekannt sind
außerdem schwere allergische Reaktionen nach
Auffrischimpfungen. Sie äußern sich in (blutigem) Durchfall
und Erbrechen und können die Tiere ebenfalls das Leben
kosten.
Weniger schwere,
aber dafür sehr hartnäckige Allergien können nach allen
Impfungen entstehen, weil sie beim Jungtier in das noch
nicht ausgereifte Immunsystem eingreifen: Sie stören die
Feinabstimmung der Abwehr.
Impfungen können
auch Autoimmunerkrankungen verursachen, bei Katzen ist dies
jedoch noch wenig erforscht. Eine neue US-Studie liefert
starke Indizien dafür, daß Impfungen chronische
Niereninsuffizienz auslösen können. Viele Impfstoffe werden,
vereinfacht gesagt, mit Katzennierenzellkulturen
hergestellt. Wird die Vakzine injiziert, gelangt Protein von
diesen Nierenzellen in den Impfling, der dagegen Antikörper
bildet – aber nicht nur gegen dieses fremde Nierenprotein,
sondern auch gegen die eigenen Nieren, also sogenannte
Autoantikörper. Und das kann zur fortschreitenden und
schließlich tödlichen Zerstörung der Nieren führen. -
Weitere Studien dazu sind im Gange.
Dass immer mehr
Katzen an Epilepsie und Diabetes erkranken, sollte in diesem
Zusammenhang ebenfalls zu denken geben. Beim Hund steht
fest, daß die in mindestens 50 Prozent der Fälle tödliche
autoimmunhämolytische Anämie, eine Blutkrankheit, durch
Impfungen verursacht werden kann.
Wie wird denn
jetzt in den USA geimpft?
Das neue
Katzen-Impfschema der US-Tierarztverbände sieht so aus:
-
Grundimmunisierung im Welpenalter (nach der achten
Lebenswoche zwei Impfungen im Abstand von vier Wochen),
-
eine
Wiederholungsimpfung mit einem Jahr
-
und dann nur
noch alle drei Jahre.
Gegen welche
Erreger geimpft wird, richtet sich nach der Haltung (Wohnung
oder Freigang).
Woher wissen
die US-Tierärzte, dass das genügt?
Wie oben schon
gesagt: Das Immunsystem der Kleinsäuger ist dem des Menschen
absolut ebenbürtig. Wenn Impfungen beim Menschen viele Jahre
halten, dann ist das bei Katz und Hund und Kaninchen nicht
anders.
Außerdem haben
Wissenschaftler in den 90er Jahren Langzeitstudien an Katzen
gemacht mit einem ganz gewöhnlichen Dreifach-Totimpfstoff
gegen Schnupfen und Seuche.
Die Tiere
erhielten als Welpen mit acht und mit zwölf Wochen eine
Grundimmunisierung und wurden danach nie wieder geimpft. Sie
wiesen noch siebeneinhalb Jahre später, als sie mit Erregern
infiziert wurden, einen guten Immunschutz auf. Der Schutz
gegen Katzenseuche erwies sich als hundertprozentig, der
Schutz gegen Herpes- und Calicivirus betrug 52, resp. 63
Prozent. Die Schnupfen-Impfung verhinderte nicht vollständig
die Erkrankung, doch dies ist bei frisch vakzinierten oder
revakzinierten Katzen nicht anders. Diese Impfung kann die
Ansteckung oft nicht verhindern, sie mildert aber den
Krankheitsverlauf. In der ungeimpften Kontrollgruppe dieser
Studie erkrankten einige Tiere sehr schwer.
Eine neue Studie
vom Januar 2001 unterstützt diese Ergebnisse.
Wissenschaftler bestimmten bei einer großen Zahl von
Laborkatzen und von Katzen aus normaler Privathaltung
Seuche- und Schnupfen-Impftiter. Bei einigen Gruppen von
Laborkatzen wurde darüber hinaus durch Testinfektionen
geprüft, wie verläßlich bestimmte Titerhöhen sind. Ergebnis
dieser Untersuchungen: Die Tiere sind gegen diese
Krankheiten geschützt, wenn sie geimpft sind – unabhängig
von der Art des Impfstoffs und, vor allem, unabhängig davon,
wie lange die letzte Impfung zurückliegt.
Diese Ergebnisse
sind nun sogar durch einen Impfstoffhersteller bestätigt
worden. Pfizer Animal Health USA hat im Janur 2004 eine
Studie über die Dauer des Immunschutzes (bestimmt durch
Antikörpermessung) für den Pfizer-Impfstoff gegen
Katzenseuche und Katzenschnupfen veröffentlicht. Ergebnisse:
Die Katzen hatten vier Jahre und länger noch Impfantikörper.
Der Tierimpfstoffhersteller Pfizer Deutschland scheint es
nicht eilig zu haben, diese Erkenntnisse seiner
amerikanischen Muttergesellschaft in Deutschland publik zu
machen.
Welche
Impfungen sollten Wohnungskatzen haben?
Wohnungskatzen
haben ein ziemlich geringes Risiko, sich eine
Infektionskrankheit einzufangen. Es ist zwar richtig, daß
der Mensch die Seuche einschleppen kann, weil sich das
feline Parvovirus sehr lange in der Umgebung hält. Doch die
Seucheimpfung ist die beste, die wirksamste Katzenimpfung
überhaupt: Ein Tier, das als Welpe ordentlich
grundimmunisiert wurde, ist dadurch sehr lange geschützt,
wahrscheinlich lebenslang. Außerdem: Die meisten Erreger
sind für Jungtiere gefährlich oder sogar tödlich,
ausgewachsene Tiere in gutem Allgemeinzustand werden damit
viel besser fertig.
Die
Schnupfenimpfung hingegen ist längst nicht so gut. Viele
durchgeimpfte Tiere sind Virusträger, sie sind also mit
Herpes, vor allem aber mit Calici infiziert und scheiden das
Virus aus. Wenn man die hohe Zahl durchgeimpfter Katzen
sieht, die trotz ihrer vielen Shots chronisch schnupfenkrank
wurden, kann man über diese Impfung sehr ins Grübeln kommen.
Das Calicivirus ist seit Einführung der Impfung sogar
deutlich häufiger geworden als davor. Es ist in der
Wissenschaft schon lange bekannt, daß die vorhandenen
Calici-Impfstoffe gegen die grassierenden Feldvirusstämme
immer weniger ausrichten. Darüber hinaus können Caliciviren
aus Lebendimpfstoffen wieder virulent, dh gefährlich werden,
von Tier zu Tier übertragen werden und Epidemien in
(wohlgemerkt: durchgeimpften) Katzenzuchten oder Tierheimen
auslösen.
Die Welpenimpfung
schadet im allgemeinen nicht, man sollte aber überlegen, ob
man ausgewachsene Tiere weiterhin dagegen impfen läßt.
Wichtig ist, ganz junge Kätzchen nach Möglichkeit von
Artgenossen fernzuhalten, die an Schnupfehn erkrankt sind.
In manchen
Schnupfenvakzinen ist auch ein Impfstoff gegen Chlamydien
enthalten, einen bakteriellen Erreger. In Tierheimen und
Zuchten können Chlamydien recht hartnäckig umgehen. Die
Impfung ist jedoch nicht der Königsweg, den Erreger
loszuwerden, wie sich immer wieder zeigt. Bestandsmanagement
bringt nachhaltigeren Erfolg. Außerdem gilt dieser Impfstoff
als besonders nebenwirkungsträchtig.
Die
US-Tierarztverbände empfehlen für Wohnungskatzen: im
Welpenalter Seuche- und Schnupfen-Grundimmunisierung (ohne
Chlamydien), dann mit einem Jahr eine Auffrischung, danach
nur noch alle drei Jahre. Aber auch dieses
Drei-Jahres-Intervall ist mehr durch die wirtschaftlichen
Interessen der Tierärzte begründet als durch medizinische
Erfordernisse. Denn diese Impfungen halten, wie man ja
inzwischen weiß, länger als drei Jahre.
Welche
Impfungen sollten Freigänger haben?
Zusätzlich zur
Seuche-Schnupfen-Impfung werden Freigänger oft gegen FeLV
geimpft. Der Impfling muß vorher getestet werden, ob er
FeLV-negativ ist, nur dann darf er geimpft werden. Auch
dieser Schutz braucht nicht lebenslang erneuert zu werden.
Es spricht vieles dafür, daß man die Impfung beim
ausgewachsenen Tier weglassen kann – erstens, weil der
Immunschutz ebenfalls viel länger hält als ein Jahr,
zweitens, weil adulte Katzen eine gute körpereigene Abwehr
gegen den Erreger haben. FeLV-Impfstoffe sind
überdurchschnittlich häufig an der Sarkomentstehung
beteiligt, daher ist vorsichtiger Umgang mit dieser Impfung
anzuraten. In Gegenden, wo es keine unkastrierten und
ungeimpften Streuner gibt, ist das Ansteckungsrisiko sehr
gering, denn sie sind die Hauptüberträger. Neuzugänge von
unklarem Gesundheits- und Impfstatus sollten erst in
Quarantäne kommen und getestet werden auf FeLV sowie auf
„Katzenaids“, die FIV-Infektion, gegen die es in Europa noch
keinen Impfstoff gibt. (In den USA ist im Frühjahr 2002 eine
erste FIV-Vakzine zugelassen worden. Ihre Wirksamkeit wird
aber von US-Veterinärmedizinern aus triftigen Gründen stark
bezweifelt, und viele lehnen das Produkt entschieden ab.)
Was ist von
der FIP-Impfung zu halten?
Die Impfung gegen
die infektiöse Peritonitis ist auch hierzulande unter
Tierärzten wegen mangelhafter Wirksamkeit umstritten. Vor
allem Züchter wenden sie an. Die meisten Katzen sind schon
mit Corona infiziert – ohne davon krank zu sein –, so daß
die Impfung bei ihnen sowieso sinnlos wäre. Corona-Infektion
heißt überhaupt nicht, daß eine Katze FIP bekommen muß – das
geschieht zum Glück nur selten und trifft meistens Jungtiere
in Streßsituationen. FIP ist nicht von Katze zu Katze
übertragbar. In einer deutschen Studie mit jungen und
ausgewachsenen Katzen unter Tierheimbedingungen zeigte sich,
daß der Impfstoff die zuvor corona-negativen Kätzchen nicht
vor FIP schützte, im Gegenteil, von den 20 geimpften
erkrankten 12, das waren mehr als bei den ungeimpften (10
von 20).
Wie soll man
es mit der Tollwutimpfung halten?
Die
Tollwutimpfung an Haustieren dient in erster Linie dazu, den
Menschen vor dieser tödlichen Krankheit zu schützen.
Menschen sind vor allem durch die urbane Tollwut, dh die
Tollwut der Hunde gefährdet. Die ist aber bei uns seit
Jahrzehnten ausgerottet, wir haben nur noch die silvatische
Tollwut = Fuchstollwut und seltene Fälle von
Fledermaus-Tollwut. Die Fuchstollwut steht vor ihrer
Ausrottung, große Teile Deutschlands sind frei davon. In
tollwutfreien Gebieten kann man auch bei Freigängern auf die
jährliche Impfung verzichten, die ebenfalls ein erhöhtes
Sarkomrisiko birgt.
Leider gibt es,
anders als in den USA, hierzulande keine offiziell als
solche ausgewiesenen Drei-Jahres-Tollwutvakzinen. Doch die
hier erhältlichen Produkte bieten ebenfalls weit länger als
ein Jahr Schutz. Titeruntersuchungen an geimpften Tieren
zeigen das auch immer wieder. (Und Herstellerdaten, zum
Beispiel zum Impfstoff Rabdomun – die damit geimpften Katzen
waren noch 48 Monate später zu 100 Prozent geschützt, wie
die Testinfektion erwies.)
Bei
grenzüberschreitenden Reisen mit der Katze wird meist ein
Impfnachweis verlangt.
Unsinnig
erscheint, daß Ausstellungstiere laut Tollwutverordnung
jährlich geimpft werden müssen. Zuchtkatzen leben in der
Regel im Haus, allenfalls noch im Garten, und haben daher
ein sehr geringes Ansteckungsrisiko. Zu überlegen wäre, ob
man statt jährlicher Revakzinierung den Schutz lieber durch
eine Blutuntersuchung nachweisen läßt. Bei der
Tollwutimpfung gibt der Antikörpertiter zuverlässig
Aufschluß darüber, ob noch Immunität besteht oder nicht.
Muß man jetzt
nicht mehr jährlich zum Tierarzt?
Auf jährliche
Impfungen zu verzichten darf nicht heißen, daß die Katze
nicht mehr regelmäßig zum Tierarzt kommt. Vor allem ältere
Tiere sollten regelmäßig gründlich untersucht werden. Es
sollte uns nicht ums Sparen gehen, sondern um sinnvolle
Gesundheitsvorsorge.
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Zum Schluss
noch zwei Zitate von Professor Ronald D. Schultz,
Veterinärimmunologe an der Universität von Wisconsin in
Madison:
„Die
Empfehlung, (Haustiere) jährlich zu impfen, wird immer
weniger akzeptabel
angesichts der steigenden Zahl der Nebenwirkungen, vor allem
solcher, die eine schwere Erkrankung verursachen oder gar
den Tod, und angesichts der wachsenden Zahl der verfügbaren
Impfstoffe.“
„Meine eigenen
Haustiere werden als Welpen ein- oder zweimal geimpft und
dann
nie wieder, mit Ausnahme der Tollwut-Impfung, die alle drei
Jahre gegeben wird, seit ein
Drei-Jahres-Produkt erhältlich ist. Ich verfahre nach diesem
Programm
seit 1974, und es ist weder bei meinen Haustieren noch bei
den Haustieren meiner
Kinder und Enkel jemals eine Infektionskrankheit
aufgetreten.“
Wer Englisch kann, sollte sich diese
interessante US-Tierarzt-Website ansehen:
www.critterfixer.com
(mit Foto einer Impfsarkom-Katze)
Reichhaltigste Information über das
Impfsarkom und Impfungen finden Sie auf der Website von
Coleen und Jeff Kremer, die sich seit dem Sarkom-Tod ihrer
Katze Sylvia bemühen, andere Tierhalter aufzuklären (in
Englisch):
www.catshots.com
Weitere
englischsprachige Websites zum Thema:
www.cvmbs.colostate.edu
(Impfplan der Veterinärklinik an der Colorado State
University, mit Angabe der verwendeten Impfprodukte und mit
Literaturliste)
www.maxshouse.com/vaccines.htm
(Impfplan der Cornell University)
www.avma.org/vafstf
(Informationen zum Impfsarkom)
www.api4animals.org/default.asp?ID=558
(1998er Impf-Report der US-Tierarztverbände AAFP und AFM mit
den neuen Richtlinien sowie ausführlicher Darstellung der
Infektionskrankheiten und Begründung der verlängerten
Impfintervalle)
www.geocities.com/~kremersark/aafp.html
(AAFP/AFM-Report 2000, im wesentlichen Ergänzungen zum
ersten Report, zum Beispiel zur Frage der Tierarzthaftung)
Copyright 2002, 2003, 2004, 2005:
Monika Peichl
Mopeichl@aol.com
Alle Rechte vorbehalten.
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